Geschichte der Pfarrei St. JosefGESCHICHTE Rottenbauer, ehemals eine kleine Landgemeinde, seit 01. Januar 1974 Stadtteil Würzburgs, liegt auf einer Hochfläche zwischen Main und Rlottenbauerer Grund südlich des Heuchelhofes.
Weithin sichtbar in der Dorfmitte steht die katholische Pfarrkirche St. Josef. Der Zeitpunkt der Ortsgründung ist unbekannt. Die historischen Quellen lassen eine lückenlose Darstellung der geschichtlichen Abläufe nicht zu. Funde aus Jungstein- und Hallstattzeit weisen auf vorgeschichtliche Besiedelungsperioden hin. Ein vager Hinweis auf das Alter Rottenbauers könnte die linksmainische Markabgrenzung im Bereich um Würzburg im Jahre 779 n.Chr. sein. Auf dem zugewiesenen Raum scheint der neue Besitzer das Roderecht erhalten zu haben. Die Wortendung -"bauer" weist auf eine Gründung in dieser Zeit hin.
Im Jahre 779 n.Chr. werden in einer Urkunde Karls des Großen "Weinberge am Bronnberg" erwähnt. Aus diesem Bereich schenkte Kaiser Friedrich Barbarossa am 24. April 1172 dem Hochstift Würzburg 6 Morgen Weinberg für den "Katzenwicker" als Entschädigung für die Einkünfte aus dem seinem Sohn, Herzog Friedrich von Schwaben, zu Lehen gegebenen Hof. 1267 spricht Papst Clemens VII dem Benediktinerinnenkloster "Paradeis" in Heidingsfeld einen Hof in Rottenbauer zu. Auf diese Zeit dürften die Namen der Flurlagen Engelsweg, Paradies und Himmelreich zurückzuführen sein.
Über das örtliche Adelsgeschlecht der Rotenbur und ihre Beziehung zum namensgebenden Dorf ist wenig bekannt. In einer Urkunde vom 6. Dezember 1208 werden Fridericus de Rotenbur und am 1. Mai 1252 Conrad von Rotenbur als Zeugen erwähnt. Letzterer scheint in der Schlacht von Kitzingen gefallen zu sein.
Das älteste Lehenbuch des Hochstift Würzburg 1303—1345 (Hermann Hofmann 1972/73) nennt neben der verschiedenartigen Schreibweise des Ortsnamens auch die Edlen Conradus, Engelhardus, Gerlacus und Henricus de Rotenbur. Im Orts- Personen- und Sachregister zu den "Monumenta episcopatus Würzburgensis" Bd 37—46 sind darüber hinaus als Ortsadelige Fridericus, Conradus und Hans de Rotenbur nachgewiesen. 1297 starb Hermann von Rottenbauer als Abt von St. Stephan.
Die Edlen von Rotenbur hatten, wie eine Urkunde des Klosters St. Stephan aus dem Jahre 1338 besagt, weit im Landkreis verstreute Besitzungen. Genannt wird der Edelknecht Konradus de Rotenburg und seine Ehefrau Elyzabeth, gesessen in Rympur (= Rimpar) und am 9. Juni 1366 Johann von Rotenburg als Burgmann des Bischofs Albrecht II von Hohenlohe (1345/50— 1372) in Fladungen.
Eine erstmalige urkundliche Erwähnung erfährt Rottenbauer im Jahre 1252. In diesem Jahr verpfändete Bischof Hermann l von Lobdeburg (1225— 1254) das Schloß Rotenbur mit allen seinen "zu und aingehörungen" dem Conraden Thorso, seinem Truchseß, für 120 Mark Silbers.
Ein für Rottenbauer weniger angenehmes Geschlecht waren die im Jahre 1376 als neue Besitzer des Schlosses genannten Brüder Hans, Fritz und Kühn von Rebstock. Sie verpfändeten nicht nur den Wald zum Maintal an Winterhausen, sondern verkauften auch Besitz an Tielbott von Zobel zu Giebelstadt. In der Folge wechselte das Schloß öfter seine Besitzer. 1400 kam es wieder an das Hochstift Würzburg. Fürstbischof Johann l von Egloffstein (1400—1411) verpfändete es an Peter Degen und Fritz Cämmerer. Das Hochstift löste es jedoch kurzfristig wieder aus, und Fürstbischof Johann II von Brunn (1411—1440) versetzte 1412 das Schloß Rottenbauer und das Dorf Fuchsstadt an Hans Voit von Salzburg.
Friedrich von Wolfskeel kaufte im Jahre 1430, nach Verhandlungen mit seinem Stiefvater Voit von Salzburg um die Erbschaft von Schloß Rottenbauer und das Dorf Fuchsstadt, den Besitz für 1000 Gulden. Er erhielt beides 1433 als fürstbischöfliches Lehen. Von diesem Zeitpunkt an bestimmte das wolfs-keelsche Geschlecht vier Jahrhunderte die Geschichte und Geschicke des Dorfes und prägte das Ortsbild — mit zwei Schlössern und zwei Kirchen. Die Burg, das "alte obere Schloß" — dessen Erbauung geschichtlich im Dunkeln liegt, wurde im 16. bzw. 17. Jahrhundert erweitert und bildete mit seinem wassergefüllten Burggraben eine beachtliche Wehranlage. Von der alten, um die Jahrhundertwende abgebrochenen Burg, stehen im Südgraben noch zwei Turmstümpfe.
In den Jahren 1490/93 erbauten Wolf Wolfskeel und seine Frau Barbara, geborene von Truchseß die Trinitatiskirche und transferierten den Geistlichen der Pfarrei Fuchsstadt in die Filialgemeinde Rottenbauer — gegen den Widerstand des Ritterstifts St. Burkard. Vor dieser Zeit wird jedoch schon eine Kirche im "alten Schloß" erwähnt (Kestler, Stämme pag. 48) wie aus den Teilungsakten zwischen Wolf Wolfskeel und den Söhnen Jakob Wolfskeels vom 15. April 1598 hervorgeht. Die Dorfherrschaft führte die Reformation im Sinne von Martin Luther ein. Nach den Bestimmungen des Westfälischen Friedens 1648 blieb die Trinitatiskirche protestantisch. Die Freiherrn von Wolfskeel richteten deshalb nach ihrer Rückkehr zum katholischen Glauben (etwa um 1690) im Nordwestflügel des Schlosses eine Kapelle ein. Die Glocken hingen in der offenen Haube des Treppenhausturmes. Die beengte räumliche Lage dieses Kirchenraumes, der zwischen Pferde- und Kuhställen lag, beklagte die wachsende katholische Kirchengemeinde immer wieder.
Der Bau einer katholischen Kirche war dringend notwendig, doch standen diesem Ansinnen auch teilweise noch geltende Verträge entgegen. Trotzdem legte Johann Gottfried Ignaz von Wolfskeel in einem Testament einen Betrag von 8000 fränkischen Gulden als Stiftung zum Bau einer katholischen Pfarrkirche in Rottenbauer fest. STIFTER UND STIFTUNG Johann Gottfried Ignaz, geboren am 26. März 1663, Freiherr von Wolfskeel, Herr auf Rottenbauer, des hohen Domstifts in Würzburg Senior und Jubiläus der beiden Collegiatsstifter Haug und Neumünster, Propst, fürstlich Würz-burgischer Geheimer Rat und Hofkammerpräsident.
Er verordnete in seinem Vermächtnis 1777 u.a: "Im folglichen auch die katholische Gemeinde zu Rottenbauer, in der Folge der Zeit sich annoch vermehren wird, so solle von nur gedachtem Kapital deren 8000 fl (Gulden) und von deren davon zusammenbringenden Zinsen nach Ablauf von acht bis zehn Jahren von meinem Ableben an gerechnet eine katholische Kirche in Hottenbaueraufdem Platze unter dem eigentümlichen Hause nächst dem Garten gelegen, erbaut werden und dotiert, auch der katholischen Gemeinde daselbst zum alleinigen Gebrauch sein und verbleiben".
Am 15. April 1779 verstarb Johann Gottfried Ignaz, Freiherr von Wolfskeel.
Die Wirren der Zeit, die Säkularisation, Bedenken gegen den Bau der Kirche, die Johann Philipp von Wolfskeel in seiner Stellungnahme vom 7. November 1780 vortrug, wobei er sich auf § 48 des Westfälischen Friedens 1648, das Normaljahr 1624, den Vertrag vom 20. September 1627 und den Familienre-zeß vom 5. November 1706 bezog, und eine gewisse Abneigung der Herrschaft des oberen Schlosses, den als Kirchenbauplatz vorgesehenen Schafgarten abzugeben, verzögerten den Baubeginn erheblich. BAUGESCHICHTE, GRUNDRISS UND AUFBAU Landesbaumeister Büttner besichtigte im Jahre 1809 auf Weisung der damaligen großherzoglichen Landesdirektion den Bauplatz, doch hatte auch dies keinen Einfluß auf den Baubeginn. Endlich, veranlaßt durch ein höchstes Regierungsdekret, eröffnete das freiherrliche Patrimonaialgericht der katholischen Kirchengemeinde, daß im Winter 1817/18 der Bau vorbereitet und im Frühjahr, sobald es die Jahreszeit ermögliche, begonnen und im Sommer des Jahres 1820 im Hauptwerke fertiggestellt werden solle. Mit dem Bau wurde im Frühjahr 1818 nach den Plänen von Johann Michael Christian Gustav Vorherr begonnen. Vorherr war ein in seiner Zeit weit bekannter Architekt. Er leitete zeitweise im Oberbaukommisariat des Innenministeriums das öffentliche Bauwesen in Bayern, gründete 1823 eine Bauwerkschule und war auch außerhalb Bayerns mit seinen Arbeit hervorgetreten.
Planung: Johann Michael Christian Gustav Vorherr Rekonstruktion: Rottenbauer, Juli 1999, H. Schmidt Maße der Kirche Länge: 25 m Breite: 15m Innere Höhe: 11,50m Höhe Kirche: 23 m Höhe Turm: 32m Treppe
Im Frühjahr 1818 wurde mit dem Bau der Kirche begonnen. Der erste mit den Arbeiten beauftragte Unternehmer baute so mangelhaft, daß die bereits 4 Fuß (ca. 1,20 m) hochgezogene Mauer wieder abgebrochen werden mußte. Hierdurch entstand nicht nur eine zeitliche Verzögerung, sondern der Stiftung ein beträchtlicher finanzieller Schaden. Der nachfolgende Unternehmer arbeitete jedoch genauso nachlässig. Der örtliche Bauleiter Peter Glock sah sich daher gezwungen, durch das freiherrliche Patriomonialgericht Beschwerde bei der königlichen Regierung einzulegen — leider ohne Erfolg. Aber auch andere Gewerke wiesen Mängel auf. Der Dachstuhl war nicht fachgerecht verankert und hatte sich verschoben. Ein neuer Dachstuhl wurde am 14. August 1822 durch Dekret der königlichen Regierung genehmigt. Das Dach war wieder zu flach, der First ließ das obere Drittel des halbkreisförmigen Orgelfensters frei und eindringendes Regenwasser beschädigte das Kirchengewölbe. Durch die Fenster eindringendes Regenwasser beschädigte den Fußboden. Das Gefalle der Gesimse war zu flach. Das Wasser wurde nicht abgeleitet, sondern drang in das Mauerwerk. Schon der erste Sturm verursachte Schäden an der mangelhaft ausgeführten Schieferdeckung und Verblechung an Dach und Turm.
Die Lokalbehörde machte Einwände, beschwerte sich vor allem, daß ihnen der Bauplan nie vorgelegt wurde und mittlerweile 19 —20 000 fl (Florin = Gulden) gegen ihre Einwilligung verbaut worden seien. Eine dem Einsturz drohende Kirche sei das Ergebnis. Scheinbar konnte keine Arbeit ausgeführt werden, ohne daß man sie später verbessern mußte. Man protestierte gegen weitere, der Stiftung zur Last fallende Kosten und verlangte ein ordnungsgemäß erstelltes Bauwerk—oder die Rückgabe des Geldes. Alle Proteste halfen nichts. Man baute weiter, besserte wieder aus, richtete ein, riß wieder ab und die Gelder wurden immer weniger. Für die Anschaffung von zwei Glocken wurden 881 Gulden genehmigt. Der Glockengießer Georg Philipp Jäger aus Würzburg lieferte sie am 27.11.1823. Die dritte Glocke für das vollständige Geläute stiftete später die Gutsherrschaft. Sie wurde aus den beiden kleineren Glocken der Schloßkapelle gegossen und am 31. August 1831 feierlich gesegnet.
Am 4. November 1826 legte das freiherrliche Patrimonialgericht der königlichen Regierung einen Sachbericht vor. Diese verfügte leider erst am 21. Januar 1829, daß nötige Reparaturen und Anschaffungen durchzuführen seien. Der königliche Bezirksingenieur Panzer und der Patrimonialrichter Hirsch führten daraufhin eine Baubegehung durch. Aufgrund der am 11. August 1829 erteilten Aufträge für Anschaffungen, Einrichtungen und Reparaturen wurde der Platz vor der Kirche gepflastert, die Kirchhofmauer ausgebessert, der Kirchenboden neu gebrettert und die Turmstiege verlegt. Am Turm setzte man die fehlenden Türen und Jalousien und an die beiden Seiten der Kirche einen Zaun. Zwar deckte man die westliche Dachseite mit Walzblech, doch drang nach wie vor Regenwasser ein. Die Fugen wurden deshalb 1830/31 mit Ölkitt überstrichen. Mit dem Tünchen der Innenwände vom Sommer 1832 bis August 1833 fanden die Bauarbeiten ihren Abschluß. INNENAUSBAU, EINRICHTUNG UND FERTIGSTELLUNG
Ab 20. Januar 1822 befaßte sich die Baubehörde mit den Arbeiten im Kircheninnern. Die Kanzel sollte ursprünglich an der Sakristeiwand stehen, kam dann aber an den ersten Fensterpfeiler der Westwand. Das Presbyterium (Hochaltarraum) war zu kurz und mußte zum Langhaus hin verlängert werden. Im Jahre 1824 waren Kirche und Innenraum, wenn auch nur notdürftig, soweit eingerichtet, daß Gottesdienst gehalten werden konnte. Ein verhältnismäßig kleiner Altar, die Kanzel und der Beichtstuhl waren die Einrichtungen der sonst leeren Kirche. Bequisi-ten, die zur Abhaltung des Gottesdienstes nötig waren, kamen von der Schloßkapelle. Aus der Büx-Bitterschen Stiftung erhielt die Kirche am 5. März 1824 ein Meßbuch, ein Meßgewand auf alle Sonntage und eine lange Albe (weißes Untergewand). Am 31. Oktober 1824 benedizierte (weihte) Kurat Johann Georg Karch mit bischöflicher Erlaubnis die neue Kirche.
Den Auftrag zum Bau der Orgel erhielt Orgelbaumeister Johann Kirchner aus Euerdorf am 1. Dezember 1824 mit der Verpflichtung diese bis zum 24. August 1825 fertigzustellen.
Kurat Johann Baptist Kestler trat am 11. März 1826 die Nachfolge des am 29. Januar 1826 verstorbenen Kuraten Karch an. Auch er mußte zunächst auftretende Schäden beseitigen lassen. Notwendig wurde vor allem die weitere Ausstattung, die Beschaffung und Vervollständigung gottesdienstlicher Geräte und Paramente. Laufende Bittschriften — an die königliche Regierung des Untermainkreises, Kammer der Finanzen, um Überlassung gottesdienstlicher Geräte, mit der Bitte um gnädigste Schenkung einiger Kirchengeräte und Paramente von aufgehobenen Stiftern und Klöstern aus der Ornatkammer der Kathedralkirche zu Würzburg, an das freiherrliche Patrimo-nialgericht um 2 Meßgewänder oder Paramente — zeigen die Armut der Pfarrgemeinde und das dadurch notwendige stete Bemühen. Die Mittellosigkeit der hiesigen Bürger kam auch in einem Schreiben der adeligen Gutsbesitzerinnen vom 4. März 1813 an die Großherzogliche Landesdirektion zum Ausdruck. Rottenbauer sei "bereits mit armen Einwohnern nur zu sehr überfüllt".
Im Inventar sind in den Jahren 1828/29 — 1839/40 das Stifterbild, Supraporten mit den Bildern von Geburt und Erscheinung des Herrn, von St. Roma-na, der Römerin, und St. Michael, von der Schmerzhaften Mutter Gottes, vom Franziskus und von der Madonna verzeichnet. Die Herkunft dieser Bilder ist nicht bekannt.
1829 standen bereits drei Altäre in der Kirche, jedoch war nur der Hochaltar für den Gottesdienst hergerichtet. 1830 wurden die beiden Seitenaltäre durch den Bischof Friedrich von Groß zu Trockau benediziert — der Linke (Marienaltar) konsecriert zu Ehren des hl. Gaudentius, der Rechte (Josefsaltar) zu Ehren des hl. Apostels Paulus. Den Abschluß der Arbeiten bildete die feierliche Einweihung des Stifterdenkmals am 29. August 1833, mit dem Kurat Kestler den Stifter in gebührender Weise ehren wollte. Das Denkmal fertigte Schreiner Heßmann aus Eibelstadt, die Fassung der Vergolder Berta aus Würzburg. Die Kosten wurden durch Spenden der Gläubigen gedeckt. Durch das Betreiben Kurat Kestlers wurde die hiesige Kuratie am 9. September 1847 zur Pfarrei erhoben. Die bischöfliche Bestätigung erfolgte am 22. April 1851. Kurat Kestler wurde 1847 Pfarrer in Zell am Main. DIE WEITERE ENTWICKLUNG
1864 und 1965 fielen die ersten größeren Reparaturen an. Ab 26. August 1864 wurden Schieferdecker-, Tüncher- und Schlosserarbeiten an Kirche und Turm ausgeführt, ab 16. Juli 1865 die Restauration des Innenraumes. Aus Sicherheitsgründen mußte die Decke neu verputzt werden, weil sich Teile gelöst hatten und herunterfielen. Im Jahr 1873 wurde die Inneneinrichtung überprüft und danach zwei Altäre beschafft. Aus Spenden von "Wohltätern konnten für diese zwei "ganz nackten" Nebenaltäre zwei Statuen und zwei Holzkreuze gekauft werden. Die Figuren stellten den heiligen Josef, den Patron der Kirche, und die schmerzhafte Mutter dar. Pfr. Mahlmeister weihte sie am 8. November 1874. Als gut wurde der Zustand der Kirche nach einer Ortskontrolle am 28. September 1883 bezeichnet. Weitere Spenden ermöglichten neue Anschaffungen, so z.B. am 26. August 1884 eine Muttergottesstatue aus der Schiestl-Werkstatt, Würzburg, die Pfr. Schweinfest am Feste Mariae Geburt einweihte sowie Korporalien, Humeralien, Purifikatori-en etc., neue Altartücher und Alben. Mit Spendengeldern wurde von einer Münchner Kunstanstalt ein Kreuzweg gekauft, den ein Franziskanerpater aus Dettelbach im März 1885 einweihte. Eine neue, am 30. November 1895 erworbene Josefsstatue weihte Pfr. Sebastian Lochner am 8. Dezember ein. 1889/90 war wieder eine Hauptreparatur der Kirche und 1896 die Erneuerung des Kirchendaches notwendig geworden.
Im Jahre 1911 erfuhr der Kircheninnenraum eine vollkommene Neugestaltung durch Pfr. Aull. Der Kunstmaler Eulogius Böhler aus Würzburg schuf das Deckengemälde mit der heiligen Familie, die vier Medaillons mit den Kirchenvätern, die Bilder der Altarwand und die Dekoration der Seitenwände. Die Vergolderarbeiten führten die Gebr. Weber aus Würzburg aus. Veranlaßt durch Pfr. Lochner, der von 1894 bis 1905 hier tätig war, stiftete der Bonifa-tiusverein sechs Buntglasfenster mit Heiligenmotiven. Durch diese Restaurierung im Stile der damaligen Zeit entstand, wie Pfr. Aull fand, eine helle und freundliche Kirche, die mit dem sog. "Tempelstil" der Bauzeit von 1824 versöhnte.
Der erste Weltkrieg, die Inflation und die große Arbeitslosigkeit der endzwanziger Jahre, die Zeit zwischen 1933 und 1945 mit dem 2. Weltkrieg und die Nachkriegszeit waren Epochen, die der Kirche wenig Handlungsspielraum ließen. In dieser Zeit konnten nur am Turm im Jahre 1925 und am 8. Juli 1938 am Turmkreuz notwendige Reparaturen ausgeführt werden. In der Kreuzkugel stieß man auf Erinnerungsstücke und eine Urkunde aus dem Jahre 1865. Die Installation des elektrischen Lichtes erfolgte am 12. Juli 1927. Dies war nur möglich, weil die Rechnung durch private Spenden bezahlt wurde. Die selbstlose Sammlerin Frau Johanna Staudigel wurde hierfür mit 10 Tagen Haft bestraft, weil die Aktion nicht behördlich genehmigt war.
Wie in allen Kirchen mußten auch die Glocken mit Kriegsbeginn 1939 abgeliefert und die Buntmetallgegenstände zur Sicherung der Rüstungsreserve gemeldet und erfasst werden. Pfr. Dr. Josef Klein starb nach nach 29-jähriger Tätigkeit in Rottenbauer am 21. Oktober 1942. Seine Nachfolge trat Pfr. Josef Becker am 29. Dezember 1942 an. 1944 richtete er in der ehemaligen Gerätekammer für die Gefallenen des Krieges einen Ort zum Gebetsgedenken ein. Nach Kriegsende galt die Sorge zunächst der Beschaffung der Glocken. Viele Schwierigkeiten waren zu überwinden, bis das neue Geläute am 8. Februar 1948 eingeweiht werden konnte. Die alte Michaelsglocke überstand in Hamburg den Krieg. Die hiesige Pfarrei schenkte sie am 30. August 1953 der neu gegründeten Pfarrei Reichenberg.
Im Sommer 1951 erfolgte durch Pfr. Ludwig Schneider, der am 27. Februar 1949 die Pfarrei übernahm, die seit langem notwendige Renovierung. Nach einem Gutachten der bischöflichen Behörde mußte die Kirche zunächst vom "unzeitgemäßen Kitsch" gesäubert werden, weil das Innere fast zu einem Abstellraum künstlerisch minderwertiger Dinge geworden war, die auch im Stil schlecht zueinander paßten. Die Gemälde der "Möbelwagendecke" blieben erhalten und wurden durch eine Stukkatur gefaßt, die übrigen übertüncht. Man betrachtete die Renovierung als gut gelungen. 1953 konnten die schon lange nicht mehr gepflegten Kelche und Monstranzen neu vergoldet, die Ölgemälde restauriert und die Orgel überholt werden.
1960 genehmigte das bischöfliche Bauamt die Entfernung der "Sakristeikästen" und plante eine neue Sakristei an der südöstlichen Ecke zwischen Turm und Kirchenschiff. Die Sakristei war im August des gleichen Jahres fertiggestellt worden. So konnten die Sakristeien im Innern abgebrochen und der Altarraum moderner gestaltet werden. Die alte Orgel, die so lange ihren Dienst tat, war wieder reparaturbedürftig geworden, doch hat sich eine neuerliche Instandsetzung nicht mehr als sinnvoll erwiesen. Der Orgelbauer Weiss aus Zellingen erhielt den Auftrag, eine neue Orgel zu installieren. Diese wurde am 1. Adventssonntag 1960 eingeweiht. Das Kircheninnere erfuhr noch weitere Änderungen. Die eingebaute Holztreppe zur Empore wurde durch eine eiserne Wendeltreppe ersetzt, der Raum mit der Kriegstotenkapelle ausgebaut, die Holzstützen, die die Empore trugen, durch Stahlsäulen ersetzt, das Rundbogenfenster hinter der Orgel zugemauert, die Empore gebrettert und die Brüstung neu verkleidet. Bei der weitergeführten Innenrenovierung — ihr fiel auch das Stifterdenkmal zum Opfer — wurden 1961 der alte Hochaltar und die Kanzel entfernt. Die beiden Seitenaltäre und die Kommunionbank waren bereits mit den Sakristeien ausgebaut worden. Auch die schönen alten Buntglasfenster wurden zerstört und durch weiß-grau getönte, bleiverglaste Echtantikglasfenster ersetzt. Nachdem der Innenraum neu getüncht und instandgesetzt war, erfolgte eine Neuausstattung mit Skari-steimöbeln, Bänken und einem Beichtstuhl. Karl Clobes aus Tückelhausen schuf nach dem Thema des ersten Kapitels der Geheimen Offenbarung des heiligen Johannes das Bild in der Altarnische. Mit der Weihe des neuen Altars aus "Eibelstadter Marmor" mit dem von Goldschmied Bessler gestalteten Tabernakel, setzte Seine Exzellenz Bischof Dr. Josef Stangl am 1. Adventssonntag 1961 den feierlichen Abschluß der Umgestaltung der Kirche.
Im April 1962 statteten der Kunstmaler Karl Clobes durch einen neuen Kreuzweg und der Bildhauer Herbert Spielmann aus Höchberg durch eine moderne Madonna die Kirche mit zwei weiteren Kunstwerken aus. Am 8. Juli 1962, 77 Jahre nach seinem Großonkel, feierte Pater Georg Komm seine Primiz in Rottenbauer. An diesem Fest zeigte sich die Kirche nach der von Pfr. Josef Fischer durchgeführten Renovierung in einem neuen Gewand.
Auf der Grundlage der liturgischen Instruktion vom 26. September 1964 erhielt der Altarraum 1965 mit Tabernakel, Ambo und Priestersitz seine endgültige Gestaltung. 1971 wurden die alten Kirchentüren ausgewechselt und durch kupferbeschlagene ersetzt. Frau Regina Komm schenkte der Kirche eine barocke Madonna. Pfr. Robert Bärmann stiftete hierzu den Strahlenkranz, ein Symbol der Gnaden, die von Maria, der Mutter Jesu und ihrem göttlichen Kind ausgehen. Die Madonnenfigur stammt aus der Nähe von Bamberg, den Strahlenkranz und die Ergänzung der Weltkugel schnitzte der Bildhauer Josef Kraml aus Würzburg und die Vergolderarbeiten führte die Fa. Spiegel-Hof-mann aus Würzburg aus. Die Statue hängt jetzt rechts neben der Altarnische. Sie wurde im Zuge einer Renovierung im Jahre 1977 angebracht und ersetzte die Spielmannmadonna, die jetzt im Pfarrheim hängt. Am 2. August 1989 erklärte sich das bischöfliche Bauamt mit einer erneuten Renovierung einverstanden. Nach langwierigen Vorarbeiten begannen die Arbeiten im Juni 1992. Die Kirche wurde nicht nur renoviert, sondern auch saniert und modernisiert. Über die Gesamtbreite des Portals wurde ein Windfang und in der Ostseite ein Behinderteneingang eingebaut. Der alte restaurierte Kreuzweg erhielt wieder seinen Platz an den beiden Seitenwänden, der Beichtstuhl steht in der Nordostecke, davor der massive Taufstein, den August Winkler aus Rottenbauer fertigte und stiftete. Das Stifterbild mit der Schrifttafel fand seinen Platz über dem Beichtstuhl, das Bild der schmerzhaften Mutter hängt rechts davor. Den Abschluß der Arbeiten feierte die Pfarrgemeinde am 3. Oktober 1993 gemeinsam mit Domkapitular Dr. Jürgen Lenssen in einem Dankgottesdienst.
Nach diesen, unter der Verantwortung von Herrn Pfarrer Alfred Pötter, abgeschlossenen Maßnahmen zeigte der Kirchenraum wieder einmal eine vollkommene Umgestaltung. Diese stand ebenso im Gegensatz zur Renovierung der Jahre 1960/62 mit ihrer nüchternen, modernen Auffassung, wie diese zur Renovierung von 1911. Die beiden Letztgenannten spiegelten jeweils den Zeitgeist wieder, wogegen die jetzige die vorhandenen Elemente harmonisch in die Gestaltung einbezog. Die Deckengemälde, das moderne Altarbild, die Strahlenkranzmadonna und der heilige Josef als Assistenzfiguren und der alte Kreuzweg sind die Akzente, der eine heitere Feierlichkeit ausströmende Altarraum der Lichtpunkt dieser klassizistischen Hallenkirche.
Quelle: Heinrich Schmidt, Sankt Josef zu Rottenbauer, 32 Seiten, Tümmler Verlag, Am Schloß 2, 97084 Würzburg-Rottenbauer
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