Die strahlende Mitte im PerlenkranzDie Geschichte einer Monstranz, berichtet von Justitiar a.D. Dr. Ernst Kastner Vor 25 Jahren, am 25. August 1973, errichtete Bischof Dr. Josef Stangl die Pfarrei St. Sebastian im neuen Würzburger Stadtteil Heuchelhof. Fünf Jahre später - vor 20 Jahren also - verstarb eine Frau, die zur Wohltäterin dieser Pfarrgemeinde wurde. Der folgende Bericht soll an sie erinnern. Aufgeschrieben hat ihn der frühere Justitiar der Diözese Würzburg, Dr. Ernst Kastner. "Eines Tages im August 1978 erbat ein Ordenspriester von mir in meiner Eigenschaft als Justitiar der Diözese Würzburg Rechtsauskünfte über richtige Testamentsformulierungen. Ihm hatte sich eine kinderlose Witwe mit ihrem Anliegen anvertraut: Sie müsse sich einer schwierigen Operation unterziehen, bei der es um Leben und Tod gehe. Für den Fall ihres Ablebens wünsche sie, dass ihr persönlicher Schmuck zur Herstellung liturgischer Geräte verwendet werde. Ich erklärte dem Fragesteller kurz die Arten kirchlicher Rechtsträger sowie den Unterschied zwischen Erbschaft und Vermächtnis. Aus meinem Diensttagebuch entnehme ich, dass im gleichen Monat nochmals ein klärendes Gespräch mit dem Ordenspriester stattfand. Leider blieb mir die Dame damals unbekannt, doch ließ ich ihr herzlichen Dank und Gottes Hilfe für einen glücklichen Operationsverlauf übermitteln. Bereits im September darauf informierte mich die Würzburger Ordensgemeinschaft, dass die Frau verstorben sei. Gerne sagte ich die erbetene Hilfe bei der Nachlassabwicklung zu. Ich erfuhr dabei von folgender testamentarischen Regelung: "Mein Schmuck an den Bischöflichen Stuhl zu Würzburg ... zur Verwendung bei der Herstellung von kirchlichen Geräten".
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© Foto: Rudolf Engert  |
| Aus dem Schmuck einer vor 20 Jahren verstorbenen Frau entstand die Monstranz für eine junge Würzburger Gemeinde. |
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Kurz vor Weihnachten stand ein Vertreter des Ordens als Erbe vor meiner Tür, um mir den Schmuck aus dem Nachlass zu übergeben. In einer Schatulle sah ich Perlenketten, Armbänder und Kolliers, teils mit kostbaren Edelsteinen, Ringe, auch zwei Eheringe. Gleich brachte ich alles in den Tresor der Bischöflichen Finanzkammer und informierte den Finanzdirektor. Herzlichen Dank und das Versprechen priesterlichen Mementos ließ ich übermitteln.Wie sollte nun aber konkret der letzte Wille mit dem Schmuck erfüllt werden? Nach langem Überlegen und Besprechen kam mir der Gedanke, ob es eine Möglichkeit gebe, den Reichtum an Schmuck in Würzburg verwenden zu lassen, wo er doch auch herstammte. Als Mitglied der ersten Kirchenverwaltung von St. Sebastian war mir die damalige Armut unserer Kirchenstiftung mit einem nur geliehenen Kirchenzelt bestens bekannt. Auch wusste ich, dass unser "Gründungspfarrer", heute Monsignore Erwin Kuhn, stets Mühe hatte, für unsere Fronleichnamsprozession aus einer anderen Pfarrei sich eine Monstranz auszuleihen. Inzwischen erfuhr ich, dass Pfarrer Kuhn bereits vorsorglich Entwurf und Kostenvoranschlag für eine Monstranz beim Würzburger Goldschmied Rudolf Engert erbeten hatte. Sehr schnell konkretisierte sich nun alles: Noch im Dezember trug ich dem Generalvikar die Sachlage und den Vorschlag einer Monstranz für St. Sebastian vor. Er war einverstanden. Mit dem Auftrag zur weiteren Vorbereitung ging ich umgehend in mein Dienstzimmer, um sofort entsprechende Briefe zu diktieren. Pfarrer Kuhn war überglücklich. Goldschmied Engert bestätigte die Eignung des Schmuckes zur Herstellung einer prachtvollen Monstranz. Sein Vorschlag: Symbol von Christus als strahlende Sonne und Urheber allen physischen und geistigen Lebens. Das eingeschmolzene Feingold fand gute Verwendung, einzelne Schmuckstücke konnten sogar unverändert eingearbeitet werden. Das Werk ehrt bis heute seinen Meister. Die 1979 entstandene Monstranz fand begeisterten Anklang. Lange beschäftigte mich die Frage nach dem Persönlichkeitsbild der Schmuckbesitzerin. Meine Nachforschungen waren nach 20 Jahren erfolgreich: Ich gelangte in den Besitz des Personalausweises mit dem Foto einer sympathischen Frau. Ihre 1930 geschlossene Ehe mit dem 1975 verstorbenen Ehemann, Betriebsleiter in einer angesehenen Würzburger Firma, war leider kinderlos geblieben. Nicht nur am diesjährigen 20. Todestag der Würzburgerin ging große Dankbarkeit aus der Pfarrgemeinde St. Sebastian in die Ewigkeit hinüber. Stets aufs neue und Jahr um Jahr erfreuen sich Verehrer der heiligen Eucharistie an dem vollendeten sakralen Kunstwerk."
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